Allerlei Strickerei
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    BrigitteR




    Ausgewählter Beitrag

    Ob das nochmal was wird mit uns?

    Mit mir und meinem Blog?
    Schaffe ich es, das Blog zu reaktivieren und am Ball zu bleiben?
    Warum habe ich seit einem halben Jahr nicht eine einzige Zeile geschrieben?
    Das wird ein sehr persönlicher Beitrag - ausnahmsweise.


    Tja, warum ...

    Die plötzliche Gleichzeitigkeit aller Ereignisse, nein, vieler Ereignisse ist wohl ausschlaggebend für meine teilweise Flucht aus dem Internet.
    Es erschien mir zu banal, vom Stricken, Spinnen und Weben zu schreiben, angesichts der Geschehnisse im Hause Allerlei Strickerei. Ich war, und bin es immer noch, einfach nicht in der Lage, Gedanken für Blogbeiträge zu sammeln.

    Im vergangenen Jahr gab das Leben mir so viele Zitronen, dass es mir nicht möglich war, Limonade daraus zu machen. So ganz vorüber ist es immer noch nicht und ich harre der Dinge, die noch kommen mögen.
    Hier kommt eine Kurzfassung.

    Es begann im Januar 2019, als meine Mutter einen drastischen Krankheitsschub hatte. Sie litt schon viele Jahre an Parkinson und wurde bereits seit einigen Jahren rund um die Uhr betreut. Im Januar verschlechterte sich die Situation so dramatisch, dass meine Schwester und ich mit viel zusätzlichem Einsatz in die Betreuung eingestiegen sind und ich, weil es nicht anders ging, meine Arbeit aufgeben musste. Diese Arbeit habe ich wirklich gerne und mit viel Herzblut gemacht aber das ging nicht mehr. Ich vermisse die Arbeit aber glücklicherweise sorgt der Verlust nicht für wirtschaftliche Probleme.
    Ich spürte diese Verpflichtung, die wohl viele Frauen spüren, meiner Mutter wenigstens einen Teil dessen zu geben, dass auch sie mir gegeben hat. Fürsorge, Pflege, Gesellschaft, Heiterkeit, Liebe.
    Zur Parkinsonerkrankung gesellte sich eine rasch fortschreitende Demenz mit all ihren Facetten. Für meine Schwester und mich eine sehr belastende, nur schwer auszuhaltende Situation. Eine Tortur für meine Mutter.

    Meine Mutter starb im September.

    Obwohl sie so krank war waren wir fassungslos.
    Den Tod eines Menschen, der eigenen Mutter zu erleben, ist das Eine. Das gelebte Leben formell zu beenden ist das Andere und eine weitere Belastung, die wir beide, meine Schwester und ich, nur schwer aushalten konnten und können. Ein Haus ausräumen, Dinge, die dich ein Leben lang begleitet haben wiederzufinden und dann doch nicht zu wissen, was man damit machen soll, wie damit umzugehen ist. Im Klartext: was wirfst du weg, was behältst du? Jeder Mensch trauert anders, so auch meine Schwester und ich. Ich hänge mein Herz nicht an Dinge. Erinnerungen hat man im Kopf, nicht im Keller oder auf dem Dachboden. Meine Schwester ist da anders, kann sich nur schlecht von Dingen trennen. Das gegenseitige Akzeptieren fiel uns manchmal schwer aber wir sind beide so kraftlos, dass wir uns nicht streiten können und auch nicht wollen. Das Haus ist so gut wie leer, alle Formalia sind erledigt. Durchatmen.

    Im Januar dann machte unsere Tante, 82 Jahre, auf sich aufmerksam. Ich wähle ganz bewusst diese Vokabel. All unsere Aufmerksamkeit war bei unserer Mutter. Ihre Krankheit, die Betreuung, ihr Tod, all das hat unsere Aufmerksamkeit gebunden und wir machen uns Vorwürfe, dass wir unsere liebe, alte, alleinstehende Tante dabei nicht im Blick hatten. Sie begann zu klagen, was sie nie getan hat. Sie forderte Hilfe ein, was sie auch nie getan hat. Dann ging alles sehr schnell.

    Mitte Januar kam sie ins Krankenhaus. Sie starb Mitte Februar.

    Wir waren und sind regelrecht in einer Art Schockstarre und fühlen uns haltlos, kraftlos.
    Ich war jeden Tag im Krankenhaus und allein über das, was in diesen vier Wochen Krankenhausaufenthalt passiert ist, könnte ich Seiten füllen.
    Ein Wort ist seit dem Tod unserer Tante im Wortschatz meiner Schweter und mir ganz vorne dabei: PATIENTENVERFÜGUNG! Nach den Erfahrungen im Krankenhaus kann ich nur jedem ans Herz legen, eine Patientenverfügung zu machen und darauf zu achten, dass jemand da ist, der sie im Falle des Falles auch durchsetzt.

    Und auf ein Neues: Haus leer räumen, Dinge ordnen, Formalia erledigen. Was uns einmal schwer fiel, fällt uns jetzt noch schwerer
    Nach der Beerdigung bin ich erst mal 10 Tage an die Ostsee gefahren, mit Mann und Hund, die all meine Gestressheit, meine Traurigkeit, meine Launenhaftigkeit im letzten Jahr ausgehalten haben. Dabei konnte ich mich selbst manchmal kaum aushalten.

    In all der Zeit habe ich viel gestrickt, gesponnen und auch gewebt. Das gleichförmige Tun, Masche für Masche zu stricken, Meter für Meter zu spinnen, hat dafür gesorgt, dass ich wenigstens stundenweise meine Gedanken, meine Sorgen und meine Trauer aushalten konnte.

    Meine Mutter und meine Tante haben mir das Stricken beigebracht. Daran muss ich nun oft denken.
    Und das ist wirklich nicht banal.
    Das war eine kurze Zusammenfassung und lange nicht alles, was so pasiert ist. Es soll auch kein Gejammer sein, nur eine Beschreibung der Ereignisse und der Gefühle, die damit einhergehen. Erschöpfung ist wohl der passende Begriff für meinen "Zustand".

    Ob das nun nochmal was wird mit mir und meinem Blog?
    Das wird sich zeigen. Ich gebe mir noch ein paar Monate Zeit und vielleicht geht es irgendwann wieder wie von selbst, das Bloggen.

    Brigitte 10.03.2020, 14.14

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    Kommentare zu diesem Beitrag

    7. von Ruth

    Liebe Brigitte,

    danke für Deinen so persönlichen Eintrag.
    Vieles von dem, was Du beschreibst kann ich nachempfinden und so wünsche ich Dir von Herzen viel Kraft und dass Du in Deinem Leben bald den Raum bekommst, Deine Konzentration von der so fordernden äußeren Aktivität wieder auf Dein Inneres zu richten und Dir Auszeiten zu gönnen. Solche Seelen-Inseln wie die Reise mit Deinem Mann sind im Lebensstrudel so wertvoll - ich wünsche Dir genügend davon, damit Du mehr und mehr wieder Boden unter den Füssen gewinnst!
    Alles Gute aus dem Taunus,
    Ruth

    vom 26.03.2020, 06.54
    6. von Andrea Stock

    Liebe Brigitte, es war jetzt gerade eigentlich nur Zufall, dass ich nach langem mal wieder hier geschaut habe.

    Auch wenn wir uns nicht persönlich kennen, fühl Dich bitte ganz fest gedrückt. Es ist schwer, zwei liebe Menschen relativ kurz hintereinander zu verlieren. Bleib stark.

    Alles Liebe

    Andrea aus dem Sauerland

    vom 17.03.2020, 20.47
    5. von Andrea

    Liebe Brigitte,

    eine große Umarmung unbekannterweise von mir.

    Das Leben ist manchmal ganz schön hart. Einige Aspekt die Sie schildern sind unserer Familie in den vergangenen Monaten auch wiederfahren. Manches wird noch auf uns zukommen.
    Weiterhin viel Kraft, Stärke, Zuversicht wünsche ich.

    Es würde mich freuen hier ab und zu etwas lesen und anschauen zu dürfen. Aber wenn es nicht mehr passt, dann ist es so.

    Gruß Andrea

    vom 15.03.2020, 09.57
    4. von Regina

    Ach Brigitte, ich habe schon lange gewartet dass Du wieder mal was schreibst! Was hinter Deiner Abwesenheit steckte konnte ich nicht ahnen und es tut mir sehr leid für Dich. Obwohl wir uns nicht kennen habe ich dich irgendwie lieb gewonnen in den Jahren, die ich hier schon mitlese. Ich hoffe, Du findest irgendwann wieder Gefallen daran hier Deine Werke zu zeigen und Deine Gedanken zu teilen. Hoffentlich bis bald!
    Viele liebe Grüße
    Regina

    vom 11.03.2020, 17.21
    3. von Bine

    Im Moment fehlen mir die Worte, aber kommentarlos wollte ich nicht wieder aus Deinem Blog schleichen. Ich weiß ja, wie viel Dir Deine Mutter und Deine Tante bedeutet haben.

    Ich wünsche Dir jetzt eine lange Zeit ohne solch schlimme Sorgen, in der Du zur Ruhe kommen, wieder zu Dir finden und das Erlebte verdauen darfst.

    Solltest Du ein wenig Auszeit benötigen, melde Dich. Am Ammersee und am Starnberger See kann man viel Ruhe genießen und ich habe hier ein großes Zimmer mit TV, Computer, Bett und viel Sonne, in dem Du ganz für Dich sein kannst. Scheue Dich nicht, Dich zu melden, wenn es Dir helfen würde.

    Einen lieben Gruß sendet Dir

    Bine

    vom 11.03.2020, 16.06
    2. von illy

    Hallo,
    ich sende Dir liebe, mitfühlende Grüße.
    illy

    vom 11.03.2020, 06.22
    1. von Annette

    liebe brigitte, ich umarme dich ganz herzlich.....danke, dass du das alles geschrieben hast....und wie schön, dass sich in die erinnerung mischt, von wem du das stricken gelernt hast....
    herzlichst
    annette

    vom 10.03.2020, 18.54