Allerlei Strickerei
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3
Zusatzseiten
    2017
    <<< Oktober >>>
    Mo Di Mi Do Fr Sa So
          01
    02030405060708
    09101112131415
    16171819202122
    23242526272829
    3031     
    kleine Weblog Statistik
    Einträge ges.: 1846
    ø pro Tag: 0,4
    Online seit dem: 29.03.2004
    in Tagen: 4954

     






    BrigitteR


    Ausgewählter Beitrag

    Pleiten, Pech und Pannen ...

    ... so hieß doch mal eine Fernsehsendung ... oder gibt's die noch/wieder?
    Egal ... ich hatte auch so eine Serie. Ich hätte das Ganze vielleicht anders sortiert benennen müssen, zum Beispiel Pech, Pannen und absolute Pleite, was am Generve und Ärger allerdings wirklich nichts ändern würde.

    Ich hätte schon früher darüber schreiben können aber irgendwie ist mir die Angelegenheit seltsam peinlich.
    Grundlos zwar aber dennoch ... obwohl ... naja, lies es und entscheide selbst ;-)

    Es hat zu tun mit meinem Weihnachtsgeschenk, diesem wunderschönen E-Scooter.

    Als ich das Fahrzeug gekauft habe, ging ich von einer Lieferfrist von ca 3 Wochen aus. Daraus wurden 3 Monate, was mich hätte stutzig machen sollen aber ich wollte das Teil nun mal haben und Warten steigert die Vorfreude und schult die Geduld. Also wartete ich.
    Es wurde geliefert und mit leichten Hindernissen angemeldet (ich berichtete), was fehlte war das Ladegerät. Ein nicht ganz unwesentlicher Bestandteil des vereinbarten Kaufes und für den eigentlichen Nutzen des Gerätes, Fortbewegung, nicht ganz unerheblich, da ich schließlich mit diesem Roller nicht einfach an die Tankstelle fahren kann.
    Es wurde nachgeliefert ... nach 3 Wochen. Nicht so schlimm, dachte ich. Is schließlich Winter und eh zu kalt um das Rollerfahren zu genießen.

    Als das Wetter freundlicher wurde, die Batterie frisch geladen war und ich zur ersten richtigen Fahrt aufbrach, kam ich genau 2,5 km weit, dann ging das Teil an einer Kreuzung einfach aus.

    Die Krux bei diesen elektrischen Fahrzeugen ist, dass man nix hört, also den Unterschied zwischen An und Aus hört man einfach nicht.
    Ich bin einfach völlig geräuschlos stehen gebliebe ... mitten auf der Kreuzung.
    An die Seite schieben, ratlos gucken, an und ausschalten ... quasi wie beim Computer. Reset.
    Kurz warten und, siehe da, läuft wieder ... ungefähr 100 Meter.
    Wundern und ärgern oder fluchen - kann man machen, hilft aber nix.

    Also schob ich mein so lange erwartetes Fahrzeug nach hause, fuhr zwischendurch immer wieder mal 100 Meter, bis es wieder heimlich still und leise ausging, das blöde Ding.

    Roller, inzwischen zum "blöden Ding" mutiert, deutet auf mein leicht angespanntes Verhältnis zum fahrbaren (haha!) Untersatz.

    Ok, ist zwar ärgerlich, kann aber passieren. Garantiefall, ist doch klar.
    Also schreibe ich dem Händler eine mail, lasse mir die Adresse einer E-Scooter kundigen Werkstatt geben, was nicht ganz einfach war, da der Emailkontakt mit dem Händler mehr als schleppend lief, die genannte Werkstatt erst mal nix von ihrem Serviceauftrag durch den Händler wusste und ich schließlich noch den Transport zur Werkstatt organisiern musste.
    Freund mit Auto und Anhänger, ihr wisst schon ... zum Glück hab ich so einen.

    Mein Mann war zu diesem Zeitpunkt schon so sauer, dass er mir riet, den Roller zurückzugeben.
    O-Ton Herr Allerlei Strickerei: Erst ewig lange warten, dann nur Teillieferung und dann auch noch kaputt ...Gib das Ding zurück!

    Ich blieb optimistisch und wurde nach drei Tagen von der Werkstatt angerufen und zur Probefahrt gebeten.
    Hä?? *blödguck*
    Warum bitten die mich zur Probefahrt?
    Ganz einfache Antwort! Niemand in der Werkstatt hatte einen Motorradführerschein(!) und den braucht man für diesen Roller *ungläubigguck*

    Ehrlich ... wenn man sowas auf einer Bühne erzählt, lachen die Leute, weil sie es für Satire halten. Mir ist das wirklich passiert. Du zweifelst an deinem Verstand , wenn dir sowas passiert. Ok, du zweifelst auch am Verstand anderer, eigentlich sogar mehr als an deinem eigenen!

    Ich fuhr zur Werkstatt und absolvierte eine pannenfreie Probefahrt. So weit, so gut.
    Ich konnte das blöde Ding wieder Roller nennen und mich auf die Heimfahrt freuen.
    Die dauerte ungefähr 3 Minuten oder 1 km bis das blöde Ding (tja, so schnell kann es gehen!) wieder heimlich, still und leise ausging, dieses Mal mit Vorderradblockade. Scheinbar hatte das blöde Ding bei der gelungenen Probefahrt all sein Pulver verschossen und beschlossen, es dabei zu belassen.

    Ähm ... absteigen, Helm ausziehen ... oder doch besser anlassen und einfach mit dem Kopf voran gegen die nächstbeste Wand rennen?

    Zum Glück war mein Mann dabei und er hatte unser Auto dabei, eins mit simplem Verbrennungsmotor, den man hört, der läuft und einfach schon seit 80 000 km funktioniert. Er fuhr zur Werkstatt zurück und brachte einen der Techniker mit, damit wenigstens einer von denen sehen konnte, was da los ist und sie mich nicht für eine hysterische, mittelalte Frau halten, die nicht mit einem elektrischen Zweirad umgehen kann. Ich ließ denn Techniker fahren, also er durfte es versuchen um festzustellen, dass es nicht ging.

    Zurück zur Werkstatt mit dem saublöden Ding (man beachte die Steigerung der Verachtung in meiner Ausdrucksweise!) ... mein Optimismus hatte deutlich gelitten.
    Der Chef der Werkstatt weigerte sich, weiter an dem saublöden Ding zu arbeiten (macht nix, ich hätte sowieso wieder zur Probefahrt anrücken müssen! haha!) und organisierte den Abtransport des Rollers zum Händler. Der zeigte sich am Telefon durchaus kooperativ, versprach Reparatur und möglichweise Austausch und ... ab dafür!

    Wenigstens musste ich mich nicht darum kümmern. Soviel optimismusstrapazierende Erfahrungen an einem Stück lähmen meinen Aktionismus bisweilen deutlich und ich versuche das Problem durch konsequentes Ignorieren zu erledigen - rein emotional zu erledigen. Manchmal funktioniert das, manchmal nicht. In diesem Fall .... naja, lies einfach weiter.

    Nach etwa 10 Tagen, inzwischen war Karneval im Rheinland und ich hätte, wäre ich karnevalistisch ambitioniert, eine astreine Büttenrede aus dem Stoff zaubern können, rief der Händler mich an und kündigte den Rücktransport des reparierten Rollers für Rosenmontag an.
    Das zumindest funktionierte! Rosenmontag stand zum vereinbarten Zeitpunkt der Transporter mit meinem Weihnachtsgeschenk vor der Tür.
    Kurze Probefahrt.
    Läuft! Aber das hatten wir ja schon.

    Einige Tage später, herrlicher Sonnenschein, wollte ich nun endlich Roller fahren.
    Inzwischen war mein Misstrauen dem Ding gegenüber so groß, dass bei dieser ersten, etwas längeren Fahrt mein Mann tatsächlich mit dem Auto sowas wie eine Kombination aus Geleitschutz und Bereitschaftspannhilfe lieferte und hinterher fuhr ... das allein muss man sich mal vorstellen! Was für ein Schwachsinn!!
    Aber der Roller lief und ich konnte ihn tatsächlich für den Zweck nutzen, zu dem er angeschafft wurde: ich konnte damit zur Arbeit fahren.
    Eine Woche lang, dann blockierte wieder die Vorderradbremse *fluch*
    Wieder Emailkontakt mit dem Händler, wieder schleppend, wieder Werkstatt, warten auf Ersatzteile und Kostenübernahmeerklärung. Inzwischen war mein Optimismus extrem angegriffen und ich musste mich damit trösten, dass so eine Bremse immerhin nur was Mechanisches ist und ganz ohne Batterie und Strom funktioniert. Meinen Glauben an die Zukunft der Elektromobilität war ich noch nicht bereit aufzugeben.

    Nach 10 Tagen und erneuter Garantieleistung konnte ich den Roller wieder abholen. Das Wetter war gut, ich konnte zur Arbeit fahren und es genießen. Herrlich! Dann kam der Umzug unserer Tochter und ich bin mehr Auto gefahren. Der Roller stand in der Garage, was ihm nicht zu gefallen schien. Er reagiert auf Missachtung zickig und unkalkulierbar.

    Als ich dann eines sonnigen Morgens mit Helm und Handschuhen zur Garage ging, mich auf den Roller setzte, um zur Arbeit zu fahren, beschloss er nach 50 Metern erneut sich heimlich, still und leise abzuschalten.

    In meinem Kopf gab es ein lautes, peitschendes Geräusch und damit war mein recht dicker Geduldsfaden gerissen!

    Ich schob den Roller nach hause zurück ging ins Haus und rief den Händler an.
    Eine Diskussion gab es nicht. Ich sagte einen Satz mit Entweder und einen mit Oder  ... und jetzt sitze ich hier und warte auf den Lieferwagen, der den Roller abholen kommt.

    Gestern habe ich ihn abgemeldet, das Einzige, was in dieser Posse irrwitzigerweise ganz problemlos klappte, der Kaufpreis ist wieder auf meinem Konto und ich gehe wieder zu Fuß ... oder fahr halt Auto.

    Wird es wieder ein Zweirad geben im Hause Allerlei Strickerei?
    Möglicherweise! Aber das wird dann Pedale haben und Kette und Dynamo ... so oldschool Kram. Passt eh besser zu mir.
    Eines wird es ganz sicher nicht haben: eine Batterie!

    Man muss der Elektromobilität noch etwas Zeit geben, bis sie wirklich alltagstauglich ist ... soll sie haben, aber ohne mich!

    Und warum ist mir das seltsam peinlich?
    Ich bin eine Verfechterin für Käufe im lokalen Einzelhandel und kaufe nur Dinge im Internet, bei denen ich den Verlust des Kaufpreises verschmerzen könnte ... naja ... und Wolle. Elektronik, große Geräte wie Fernseher, Waschmaschinen oder ähnliches, kaufe ich immer da, wo ich einen direkten Ansprechpartner habe und ich es im Garantiefall leicht und problemlos hintransportieren oder abholen lassen kann.
    Bei diesem vermaledeiten Roller habe ich all diese Grundätze über den Haufen geworfen ... irgendwie also auch ein Fall von: Selbst Schuld!

    Soviel zu meinem Ausflug in die Welt der Elektromobilität, der daraus gewonnen Erkenntnis und Bestätigung alter Grundsätze, die man auch nicht ausnahmsweise mal außer Acht lassen soll.

    Ein neues Fahrrad ?... eine gute Option finde ich :-))

    Brigitte 25.04.2017, 09.15

    Kommentare hinzufügen


    Kommentare zu diesem Beitrag

    5. von Sockentrolli

    Britgitte, ich bewunderte beim Lesen des sehr gelungenen Tatsachenberichtes Deine Geduld, Deinen Pioniergeist, Dein Vertrauen in neue Technologien.

    Du hast versucht, woran andere nicht einmal denken. Das ist vorbildlich. Doch wenn Du Dich auf ein Fortbewegungsmittel verlassen können musst, dann war die Rückgabe zwangsläufig. Schließlich will man ja auch ankommen. Und ich schätze mal, dass das Ding zum Ding mutierte, half erheblich bei der Entscheidungsfindung.

    Ich hätte die Kiste wahrscheinlich schon viel früher zurück gejagt.

    Viel Freude demnächst mit dem Fahrrad. :kuck:

    Schönes Wochenende von Antje :sun:

    vom 28.04.2017, 11.16
    4. von Mona

    Liebe Brigitte,
    ich gestehe, dass ich mir ein Schmunzeln beim lesen nicht verkneifen konnte.
    Aber Spaß bei Seite, ich bewundere Deine unendliche Geduld- ich hätte das Teil schon viel früher zurück gegeben!
    Die Idee mit dem Fahrrad find ich gar nicht so schlecht, ich habe ein einfaches Rad mit drei Gängen und Einkaufskorb am Lenker- das leistet gute Dienst- egal ob ich ein paar Kleinigkeiten einkaufe oder den Hund am Rad "auspowern" lasse- bisher hat es mir immer gute Dienste geleistet,

    herzliche Grüße,
    Mona

    vom 26.04.2017, 17.14
    Antwort von Brigitte:

    Liebe Mona, so ein Fahrrad habe ich auch und ich werde es wohl etwas modernisieren lassen, was die Beleuchtung angeht. Ist es besser für die Fitness, wenn man Rad fährt :-)
    3. von Nadelmaid

    Die Geduld... WOW!
    Aber schmunzeln muss ich schon. Schlimm?

    vom 25.04.2017, 23.15
    Antwort von Brigitte:

    Schmunzeln ist ausdrücklich erlaubt. Rückblickend tu ich es auch. Es ist doch schön, wenn dieses Debakel wenigstens noch zur Erheiterung dienen kann :-))
    2. von annette

    ...so ein mist.....
    lg
    annette

    vom 25.04.2017, 17.35
    Antwort von Brigitte:

    Das hast du kurz und knapp zusammengefasst, liebe Annette ;-)
    1. von Marina

    Humptää humptäää ... Helau und Alaaf ... eine astreine Büttenrede! ;-)

    Oh mann eh, was für eine Geschichte. Das ist ja mal wirklich saublöd gelaufen. Ich bewundere wirklich deine Geduld und (fast) untrübliche Zuversicht in der Angelegenheit. Am lustigstens fand ich, glaube ich, die Passage, in der du beschreibst, du fährst E-Roller und dein Mann fährt als Begleitschutz mit dem Auto hinterher. Genial! So etwas hätte uns hier auch einfallen können.
    Nun ja, die Sache ist ja nun abgeschlossen. Schade zwar, aber wie heißt es ... besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
    Ein neues Fahrrad, das ist doch eine gute Idee ... kauf dir am besten ein E-Bike :D ...

    Liebe Grüße,
    Marina

    vom 25.04.2017, 15.21
    Antwort von Brigitte:

    Jaja ... man wird kreativ beim Vermeiden von Pannen :-)) E-Bike, hmm, darüber muss ich intensiv nachdenken. Erst mal verlasse ich mich auf meine Füße. Liebe Grüße zurück Brigitte