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Hexapuff-Zähler





BrigitteR


Ausgewählter Beitrag

ein durchaus selbstkritischer Blick

Bei der Durchsicht meiner Wollvorräte nach der geeigneten Wolle für mein nächstes Projekt bin ich - mal wieder - zu dem Schluss gekommen, das der ganze Kram weg muss. Wolle, Wolle und nochmals Wolle. Die eine schöner als die andere und allesamt liegen ungenutzt herum.

Schönste Tweedgarne, robuste Schafwolle, feine Fairisle Garne, seidiges Alpaka, Selbstgesponnenes und Sockenwolle, Sockenwolle, Sockenwolle ...
Enfach zu viel von allem. Um alles zu verstricken, bräuchte ich wahrscheinlich 3 ... eher 4 Jahre!
Ein Schrank und ein paar Kisten voll mit Wolle, die unversponnenen Fasern nicht aufgezählt ... und suche ich nach Garn für mein nächstes Wunschprojekt ... ich kann fast immer voraussagen, dass ich in meinem Wollberg nicht das passende finde.

Albernes Gesammel ... dabei leben wir nicht im Wollnotstand, sondern haben jederzeit die Möglichkeit, für Nachschub zu sorgen. Warum neigen wir, ich weiß, ich bin nicht die einzige, dazu, solche Vorräte anzulegen?

Als vor mehr als 20 Jahren meine Großeltern starben und ich zusammen mit meiner Tante deren Haus ausgeräumt habe, fanden wir ungefähr 2 Zentner Zucker in diversen Schränken und im Keller. Das konnte ich mir zumindest noch damit erklären, dass die Großeltern den Krieg miterlebt hatten und bestimmte Mangelerlebnisse vielleicht so traumatisch waren, dass sie einfach nicht verarbeitet werden konnten. Zudem hat mein Großvater in den Kriegsjahren und danach Bienen gehalten und brauchte Zucker für die Winterfütterung. Mit Zucker konnte man einkochen und er war auch zum Tauschen bestens geeignet.

Würde in diesen Tagen jemand unser Haus ausräumen, wäre der Wollvorrat sicher ebenso beeindrucken für ihn, wie der Zucker es für mich war. Allerdings ließe sich dafür keine plausible Erklärung finden. Ich bin weder nennenswert traumatisiert noch habe ich jemals Mangel erlebt

Warum aber habe ich solche Mengen Wolle gesammelt?
Einfach weil ich die Möglichkeit habe?
Sicher, ich stricke relativ viel aber Vorrat für 2-3 Projekte würde doch bestimmt reichen. Ach was ... im Grunde bräuchte ich gar keinen Vorrat!
Ich kann meine Wollsammelei weder mit dem "günstigen Angebot" oder dem "Schnäppchen schlechthin", noch mit der einmaligen Gelegenheit, etwas besonderes zu bekommen, erklären. Fast alles, was in meinem Vorrat liegt, ist gängige Ware, die man zumindest via Internetshopping jederzeit kaufen kann. Sogar meine allerliebste Tirolwolle kann ich übers Internet bestellen.
Und die Sockenwolle ... ! Ich wäre wahrscheinlich in der Lage, eine ganze Kompanie mit Socken aus meinem Wollvorrat zu bestricken - und das ohne jeden Zukauf! Zwar wäre die Kompanie an den Füßen durchaus farbenfroh und daurch besonders aber da ich keine militärischen Kontakte habe stellt sich mir die Frage, was mich wohl dazu bewegt, solche Mengen an Sockenwolle zu sammeln?

Es kommt nicht oft vor, dass ich mir diese Frage stelle, doch nach der relativen Strickflaute des vergangenen Jahres und der Spinnfaulheit, die mich schon länger befallen hat, drängt sie sich mir zunehmend auf.

Warum kauft ein Mensch Wolle in diesen Mengen, um sie in den Schrank zu legen und womöglich Mottenbefall zu riskieren?

Zwar stelle ich in den beiden letzten Jahren eine Änderung meines Kaufverhaltens fest, will meinen, ich muss nicht jeden Wollladen am Wegrand betreten, ich kaufe nicht bei jedem Besuch eines Wollladens wenigesten ein Knäuel Sockenwolle und falle nicht auf die zahlreichen Rabattversprechen und Sale-Newsletter der Online Shops rein - so wird mein persönlicher Wollberg wenigstens nicht unaufhaltsam größer, sondern tatsächlich mit und mit kleiner - aber dennoch ist er zu groß.

Die Psychoanalyse gbt recht eindeutige Antworten auf die Frage nach den Gründen für solches Verhalten aber der Psychoanalyse habe ich noch nie geglaubt ... dieser Freud ... nenene ... der würde sich heutzutage prima in die vom Zaun gebrochene Sexismusdebatte einfügen und dem Brüderle wohlwollend zunicken ;-))
... aber ich komme vom Thema ab ...

Was bewegt mich, was bewegt euch, solche Mengen Wolle zu horten?
Habt ihr irgend 'ne Idee ... ich meine eine echte Idee, abseits der oft so flapsig geäußerten Woll- oder Stricksucht?

Mir reicht es jedenfalls und ich werde mir ein Wunschprojekt nach dem anderen vornehmen und von der Sammelphase in die Produktionsphase eintreten.
Ich räume mein Lager!
Alles muss raus!
Projekte, für die ich nicht die geeignete Wolle in meinem Vorrat finde, werden nicht gestrickt!

Das soll keine Wolldiät werden, sonder zeigt eher Verzweiflung angesichts eines schier unbezwingbaren Wollberges. Auch wenn der Herr Wecker seinerzeit "genug kann nie genügen" sang und ich aus voller Kehle mitgesungen habe, soll der Satz "Was zuviel ist, ist zuviel!" jetzt zu meinem Grundsatz werden, bis ich wieder den Horizont hinter dem Wollberg sehen kann.

In diesem Sinne: an die Nadeln ... fertig ... los!


Brigitte 30.01.2013, 09.03

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Kommentare zu diesem Beitrag

12. von Steffi

Auch ich habe einen sehr großen Vorrat an Wolle, hauptsächlich Sockenwolle.
Gründe sind folgende:
Da meine Mum nach 20 Jahren Selbstständigkeit im Wollfachhandel in Ruhestand ging, habe ich mir natürlich vor Schließung noch genug Wolle, Nadeln usw. zum Einkaufspreis angeschafft ("so billig wirds nicht mehr"). Aber zugegebenermaßen habe ich auch schon ein paar wenige Knäuel Sockenwolle zugekauft. Liegt einfach daran, dass man auch mal neue Qualitäten ausprobieren will.
Ich kann nicht angeben, wie lange ich bräuchte um alles zu verarbeiten. Aber ich hab die feste Absicht, es bis zu meinem Rentenalter einigermaßen zu verstricken (und mit meinen 32 habe ich da auch noch etwas Zeit).
Außer Platz benötigt ja die Wolle zum Glück nix!
:D

vom 02.02.2013, 19.56
11. von Annette

Hallo Brigitte!
Ich habe nie mehr als Wolle für 3 oder 4 Pullover (ca. 2-3 kg.) im Vorrat. Und ich kann mich über diese wenige Wolle richtig freuen, sie ist auch wirklich sehr schön! Ich glaube einfach nicht, daß ich mich zehnmal mehr über 30 kg freuen würde. Zufrieden sein können ist doch etwas sehr wichtiges im Leben, nicht immer wieder einen neuen Kick brauchen, der dann auch bald wieder verfliegt und die Lust nach dem nächsten Kick erzeugt.
Beste Grüße von Annette

vom 01.02.2013, 18.42
10. von knittink

Zustimmung!
Habe ich mir auch schon häufig gedacht (gerade die Sache mit den überraschten Erben), erliege leider trotzdem noch gelegentlich den mannigfalitigen Versuchungen.
LG
Andrea

vom 01.02.2013, 17.13
9. von B.Cottin

Warum ? Wo anders gibt es ein Material, das so kuschelig ist, so farbenfroh, und das Licht so schön fängt ? Und dazu die Perspektive, was Schönes zum Anziehen zu haben, oder ein schönes Geschenk...
Zum Abbauen des wollberges kann man auch überlegen, etwas zu verschenken, z.B. an karitative Werkstätten (mit Flüchtlignsfrauen, im Gefängnis...)oder interkulturellen Stadtteilinitiativen. Vielleicht kann der Wollberg, statt uns zu Hause zu bannen, einen neuen Blick auf unsere Umwelt eröffnen!

vom 01.02.2013, 12.05
8. von Nicole

Es geht mir genau wie Dir... mit dem Unterschied, dass ich viel weniger Zeit zum Stricken finde und viel mehr Wolle habe... schon zigmal aussortiert und umsortiert und reduziert auf das, was ich stricken will. Und dann noch die ganzen angefangenen Sachen, weil jedes einzelne Ding sich so ewig zieht, dass ich irgendwann die Lust verliere... Hachmensch...

vom 31.01.2013, 14.15
7. von Ms. figino

Ach, ich kann es dir nicht erklären, weil ich ja zum Glück verhältnismässig "kein" Stash habe. Es sind noch ca. 4kg Sockenwolle und etwas Lace. ABER auch das ist mir immer noch zuviel :kuerbis: Deshalb kann ich den Wunsch nach Abbau gut verstehen. Bauen wir ab und verstricken was die Wolle hergibt :hexe

vom 31.01.2013, 08.46
6. von caroline

Tja, keine Ahnung warum das so ist, alles so wie mir aus der Seele gesprochen.... Der Reiz etwas Schönes zu kaufen in einer "neuen" anderen Farbe ist einfach zu groß. Auch ich hatte mich schon in 2012 entschieden: Was genug ist genug. Und starke Kaufhemmungen gehabt, mit dem Ergebnis, mit 1,2 kg weniger Wolle in 2013 zu starten (da kam der eine oder andere Kauf / Wollgeschenk dazwischen).
Caroline

vom 30.01.2013, 21.16
5. von Mona

Guten Abend,
ich oute mich, mein Lager ist z.Z. mit knapp 58 Kilo gut gefüllt :D
5 Kilo habe ich verkauft, das war Wolle, von der ich wußte, dass ich sie nicht mehr vertricken werde.
Trotzdem kaufe ich immer noch gerne hier und da mal ein Kilo dazu......
LG Mona


vom 30.01.2013, 20.04
4. von Regina Regenbogen

Ich bin auch dabei aus den Vorräten zu stricken. Ab und an brauch ich aber auch mal neue Wolle. Mein Vorrat beläuft sich auf 30 kg. Das geht noch - denke ich.

LG und frohes Abbauen

Regina

vom 30.01.2013, 15.01
3. von Ella

Der Mensch ist einfach ein visuell orientiertes Tier. Was hübsch ist und verlockend präsentiert wird, löst diesen "habenwill"-Trieb aus. Sich etwas gönnen setzt Endorphine frei und macht "wohlfühl", sich beschränken und sich etwas versagen dagegen macht "miesfühl". Und weil sich jeder viel lieber wohl fühlt, ist es eben viel schöner, sich etwas zu gönnen.

Im Grunde ist es dasselbe Prinzip wie bei Kaufsüchtigen, nur nicht so aus dem Ruder gelaufen. Und wenn Du mich jetzt bitte entschuldigst, da war doch dieser Shop mit dem WSV und diesem tollen Stoff ... ;)

vom 30.01.2013, 10.10
2. von Andrea Stock

Ich kann jetzt nur sagen, mir geht es genauso wie Dir - aber eine Erklärung habe ich auch nicht........ :schaf:

Liebe Grüße

Andrea

vom 30.01.2013, 09.29
1. von Connie

Mir geht es aehnlich - aber mein Stash reicht nur fuer 2 Jahre (und auch nur, weil ich die Wollvorraete meiner Schwiegeroma geerbt habe). Ich habe mir vorgenommen, auch erstmal zu reduzieren, bevor ich neu kaufe.
javascript:addsmiley('','formComment' ;)


vom 30.01.2013, 09.14